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Sichtbar unsichtbar

Die fotografischen Arbeiten von Donovan Wylie thematisieren gewaltsame Konflikte anhand ihrer architektonischen Spuren. Dabei werden sie nicht als romantische Ruinen inszeniert, sondern vielmehr als rationale Strukturen der Kontrolle. Gefängnisse, Wachtürme oder Überwachungsstationen unterliegen jedoch strengster Geheimhaltung und bleiben daher einer Medienöffentlichkeit zumeist verborgen. So kommt Wylie einerseits einer der grundlegenden Aufgaben der Dokumentarfotografie nach, nämlich das Publikum mit einer heiklen, ihm fremden Realität zu konfrontieren. Andererseits reizt er dafür die ästhetischen Möglichkeiten der Landschaftsfotografie aus, indem die Bauten als machtvolle Agenten erscheinen, während individuelle Akteur*innen fehlen.

Der Aufsatz analysiert zunächst mittels Beschreibung, historischer Kontextualisierung und Vergleichen mit modernen und postmodernen fotografischen Praktiken und Theorien die formalen Gestaltungskriterien von Wylies Bilderserien. Darüber hinaus werden die Diskurse über Blickregime als Mittel von Herrschaft und Macht kurz erläutert. So wird deutlich, wie seine Fotografien einen intensiven Eindruck entfalten können, ohne Täter oder Opfer zu zeigen, sowie eine Form des Erhabenen, die den militärischen Konflikt nicht verklärt.